Diabetes Typ 1 bei Kindern: ist die Erkrankung vererbbar?


Kinder, Geschwister oder auch Eltern beziehungsweise Verwandte ersten Grades von Menschen, die an Diabetes Typ 1 erkrankt sind, leiden, verglichen mit der Normalbevölkerung, im Durchschnitt an einem 20fach höherem Risiko, ebenfalls hieran zu erkranken. Die Gefahr, dass das eigene Kind an Diabetes Typ 1 erkrankt, kann unter Umständen somit recht hoch sein.

Verstärkter Anstieg an Diabetes Typ 1 Erkrankungen

Momentan verzeichnen die Ärzte innerhalb von Deutschland einen starken Anstieg an Diabetes Typ 1 Erkrankungen. Dabei ist diese Variante normalerweise seltener als der Diabetes Typ 2. Vor allem im Kindesalter wird die Typ 1 Diagnose immer häufiger gestellt. War es vor etwa 20 Jahren noch so, dass etwa zehn von 100.000 Menschen jedes Jahr neu unter Diabetes Typ 1 leiden, dann sind es heutzutage, bei den deutschen Kindern sowie Jugendlichen, bereits 20. Die Ursache für diesen Anstieg liegt jedoch im Dunklen.

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Diabetes bei Kindern: Ursachen

Kinder mit Diabetes Typ 1 leiden unter einer Autoimmunerkrankung. Diese zerstört die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse, die sich auf die Produktion von Insulin spezialisiert haben. Dadurch fehlt dem Körper des Kindes das benötigte Insulin. Für die Zerstörung des Gewebes sorgen unterschiedliche Autoantikörper. So konnten zum Beispiel bei circa 90 Prozent der betroffenen Personen sogenannte „GADA-Antikörper“ und „IA-2-Autoantokörper“ nachgewiesen werden.

Warum das Immunsystem auf einmal Autoantikörper bildet, die gegen die körpereigene Bauchspeicheldrüse arbeiten, konnte bisher noch nicht hundertprozentig geklärt werden. Von wissenschaftlicher Seite wird davon ausgegangen, dass hier unterschiedliche Faktoren ihren Teil dazu beitragen. Hauptsächlich handelt es sich dabei um genetische Hintergründe aber auch um Umweltfaktoren.

Diabetes Typ 1 bei Kindern: eine Erbkrankheit?

Während bei Diabetes Typ 2 hauptsächlich ein ungesunder Lebensstil, aufgrund von Bewegungsmangel und zu energiereicher Ernährung, die Schuld an der Erkrankung trägt, verhält es sich bei Typ 1 anders.

So können der Autoimmunerkrankung genetische Ursachen zugrunde liegen. Mittlerweile ist bekannt, dass bei circa zehn Prozent der Kinder mit Diabetes Typ 1 ebenfalls ein weiteres Familienmitglied unter der Erkrankung leidet. Das durchschnittliche Risiko für Kinder teilt sich hier wie folgt auf:

  • Mutter sowie Vater sind Diabetes Typ 1 krank: zwischen 20 und 40 Prozent
  • Mutter oder Vater weisen Diabetes Typ 1 auf: bis zu fünf Prozent
  • Bruder oder Schwester leidet unter der Erkrankung: zwischen fünf und zehn Prozent
  • Kinder aus der Normalbevölkerung, also aus Familien, in denen der bekannte Diabetes Typ 1 nicht vorkommt: zwischen 0,1 bis 0,3 Prozent

So ist es kaum verwunderlich, dass Diabetes Typ 1 bei Kindern als vererbbar angesehen wird. Den Forschern war es bisher möglich, circa 20 unterschiedliche Genveränderungen zu identifizieren. Selbst wenn bei den Betroffenen oftmals gleich mehrere Genveränderungen vorhanden sind, genügt in der Regel schon eine einzige, damit sich der Diabetes Typ 1 entwickelt.

Spielt die Umwelt ebenfalls eine Rolle?

Allerdings scheint es so, als ob zu den Verursachern der Autoantikörper-Produktion ebenfalls diverse Umweltfaktoren gehören. Forscher vermuten hinter dem Zusammenhang des Diabetes Typ 1 bei Kindern einen Mangel an Vitamin D. Doch das ist noch nicht alles, denn es stehen ebenfalls immer wieder aufkommende Atemwegsinfektionen im Verdacht, die Erkrankung auszulösen. Des Weiteren wird angenommen, dass eine Infektion der werdenden Mutter mit Herpes, dem Cytomegalie-Virus oder Röteln ein weiterer Risikofaktor für Diabetes Typ 1 bei Kindern ist.

Ist es möglich, die Erkrankung vor deren Ausbruch zu erkennen?

Es ist machbar, den Ausbruch von Diabetes Typ 1 zu erkennen, bevor es dazu tatsächlich dazu kommt. Hierfür ist jedoch eine Untersuchung des Blutes notwendig. Dieses wird auf die unterschiedlichen Antikörper hin untersucht. Dazu zählen folgende:

  • GAD-Antikörper
  • IA2-Antikörper
  • Inselzellantikörper
  • Insulinautoantikörper

Durch die Konzentration sowie die Anzahl der Antikörper, die im Blut des Kindes nachgewiesen werden, ist es möglich, das Risiko einer Erkrankung an Diabetes Typ 1 zu beurteilen. Dagegen sollten auf Blutzuckerkontrollen der gesunden Familienmitglieder verzichtet werden, da auf diese Weise keinerlei Aussagen über das Risiko einer etwaigen Diabetes-Erkrankung möglich sind.

Kann eine Diabetes Typ 1 Erkrankung bei Kindern verhindert werden?

Laut Kinderdiabetologe Dr. Ralph Ziegler aus Münster, der gleichzeitig ebenfalls der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Diabetologie ist, ist es nicht möglich, irgendetwas zu tun, damit Eltern die Krankheit verhindern können. Es ist, wie bereits oben erwähnt, nur mit einem Bluttest machbar, zu testen, ob das Kind Diabetes Typ 1 entwickelt oder nicht. Der Test bietet sich natürlich vor allem dann an, wenn es in der Familie bereits ein Mitglied gibt, dass unter der Erkrankung leidet.

Symptome einer Diabetes Typ 1 Erkrankung

Leidet ein Kind unter Diabetes Typ 1, dann treten in der Regel folgende Symptome auf:

  • starker Durst
  • Müdigkeit
  • eine allgemeine Schwäche
  • häufiges Wasserlassen
  • Gewichtsabnahme

Sollten diese Symptome beobachtet werden, ist es dringend notwendig, sofort einen Arzt aufzusuchen. Vor allem beim erstmaligen in Erscheinung treten von Diabetes Typ 1 ist das Risiko recht hoch, sodass es zu einer für das Kind gefährlichen Entgleisung des Stoffwechsels kommen kann. Aufgrund dessen empfiehlt es sich, selbst nur bei einem geringen Verdacht auf eine Diabetes Typ 1 Erkrankung einen Arzt-Termin zu vereinbaren.

Photo by Kate on Unsplash

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