Handy & Privatsphäre – dürfen Eltern Kontrolle ausüben?


Das ewige Thema. Wie viel Freiheit gewährt man seinem Sprössling? Wie viel Kontrolle ist nötig und wie viel noch vertretbar? Zwischen kompletter Freiheit für das Kind und panischen Helikoptereltern liegt ein weites Feld, das mit Fallen gespickt ist. Hier gilt es einen für beide Seiten vernünftigen Mittelweg zu finden und klare Absprachen zu treffen. Das gilt auch beim heiklen Thema Smartphone-Nutzung.

Smartphone und wenn ja, ab wann?

Die Frage stellt sich Eltern heutzutage natürlich schon recht früh, da schon die ganz Kleinen mit den Geräten hantieren und mit zunehmendem Alter Begehrlichkeiten wachsen. Nicht zuletzt, weil die Kinder im Schul- und Freundesumfeld oftmals auch schon ihr eigenes Smartphone besitzen. Experten raten, Kindern erst ab frühestens 7 Jahren überhaupt ein Handy zu besorgen. Internetfähige Telefone sogar erst mit 12 Jahren, da das Kind erst hier die nötige Reife für einen verantwortungsvollen Umgang mit Internet und Gerät besitzt. Viele Eltern möchten aber ihr Kind aber schon früh mit einem Handy ausstatten, damit sich dieses im Notfall melden kann oder umgekehrt für sie im Zweifelsfall erreichbar bleibt. Zu diesem Zweck reicht vielleicht schon ein „reguläres“ Handy, es muss ja nicht gleich ein neues iPhone 7  sein.

Sicherheitsgefühl contra Überwachung

Generell steht zuerst einmal die Frage im Raum, ob Sohn oder Tochter überhaupt immer erreichbar sein müssen. Sicher ist es praktisch, wenn sich der Spross beispielsweise bei Verspätungen der Bahn kurz Bescheid geben kann, dass er später kommt. Allerdings ging es früher auch ohne Mobiltelefone. Die Aufklärung über Gefahren auf dem Schulweg und das entsprechende Verhalten sollte so oder so stattfinden. Dem Sicherheitsdenken der Eltern steht allerdings auch die Privatsphäre des Kindes gegenüber. Diese ist rechtlich sowohl im Deutschen Grundgesetz verankert (bzw. wird hier bei der Unverletzbarkeit des privaten Lebensbereiches nicht zwischen Erwachsenen und Heranwachsenden unterschieden) und zusätzlich auch noch im EU-Recht festgehalten.

In der täglichen Anwendung ist die kindliche Privatsphäre aber ein durchaus schwammiges Feld. Das beginnt beim Kinderzimmer und der Frage, ob Eltern dort einfach so eintreten dürfen und betrifft selbstverständlich auch das Smartphone, sowohl was eine mögliche Ortung als auch den Schriftverkehr in Mails, SMS und Messengern angeht. Denn auch der private Schriftverkehr fällt unter das Privatsphärerecht, sodass dieser Bereich für Eltern und Fremde ebenfalls tabu ist. Grundlegend sollten dem Kind gefühlt mehr Freiheiten eingeräumt als Ge- und Verbote auferlegt werden. Das entgegengebrachte Vertrauen hilft dem Kind zum einen, sich selbstständig zu entwickeln und Verantwortungsbewusstsein zu erlernen. Zum anderen beantwortet der Nachwuchs seinerseits dieses Vertrauen mit Offenheit und Vertrauen gegenüber den Eltern. Das Kind sollte also lieber gestärkt als zu stark kontrolliert werden. So verspürt es unter Umständen gar nicht erst die Notwendigkeit, Dinge im Geheimen und an den Eltern vorbei zu tun.

Im Idealfall setzen Eltern mit ihren Kindern auch bereits im Vorfeld klare Richtlinien zur Nutzung der Technik als auch zum Verhalten im Internet fest, an die sich beide Seiten halten. Das kann natürlich auch beinhalten, dass Eltern von Zeit zu Zeit Einblick in entsprechende Smartphonebereiche erhalten. Das kann entweder am Gerät selbst passieren oder automatisiert über elektronische Zusammenfassungen am Ende der Woche oder des Monats. Spezielle Kindersicherungsapps bieten solche Dienste an.

Kindersicherung ein Muss

Prinzipiell empfehlen sich erhöhte Sicherheitsvorkehrungen, wenn das Kind ein Smartphone zur Eigennutzung bekommen soll. Einige Hersteller führen solche Einstellmöglichkeiten, mit denen beispielsweise explizite pornografische oder gewalttätige Inhalte im Netz blockiert werden können, bereits im eigenen Softwarepaket mit an. Ansonsten finden sich aber in den App Stores etliche Anwendungen, mit denen das Handy kindgerecht eingestellt werden kann. Damit können dann der Zugriff auf Internetseiten, Social Media Plattformen, Downloads oder In-App-Käufe bei Spielen geregelt werden, sodass zum einen keine unangebrachten Inhalte angezeigt werden, zeitgleich aber auch Kostenfallen umschifft werden können. Darüber hinaus lassen sich aber auch bestimmte Bereiche des Smartphones selbst für das Kind sperren.

Wichtig ist aber vor allem, dass die Privatsphäre des Kindes vor Dritten gewahrt bleibt. Denn geht das Handy einmal verloren (was bei Kindern immerhin recht häufig vorkommen kann), sollen die privaten Daten vor fremden Zugriff sicher sein. Von daher sollte das Handy stets mit einer PIN und/oder einem Passwort gesichert sein. Zudem sollte die individuelle IMEI-Nummer separat notiert werden, sollte das Handy tatsächlich abhandenkommen. So kann es im Zweifelsfall entweder lokalisiert oder aus der Ferne gesperrt werden, sofern der Hersteller einen entsprechenden Service anbietet.

Foto: https://pixabay.com/de/m%C3%A4dchen-teen-caf%C3%A9-durch-das-fenster-1848477/


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