Spielzeug aus dem 3D-Drucker


Mit der Erfindung des 3D-Drucks kam der Hype: Schon bald sollte es möglich und üblich sein, unterschiedlichste Gegenstände von der Schraube bis zum Rechnergehäuse selbst zu fertigen. Ganz einfach per 3D-Druck und genau dort, wo das fertige Teil benötigt wird. Derzeit sind 3D-Drucker für den privaten Gebrauch eher Nischenprodukte, was jedoch nicht davon ablenken soll, dass das Potenzial des 3D-Drucks fast unendlich groß ist. Etwa beim Thema Spielzeug, das sich mit dem 3D-Druck zum einen einfacher und schneller, zum anderen aber auch kostengünstiger und individualisiert produzieren lässt. Erste Erfahrungen aus der industrielle Fertigung bestätigen diese Prognosen – hier kommen 3D-Drucker bereits seit längerem erfolgreich und kostengünstig zum Einsatz.

Individualisierte Spielzeuge aus dem Handel

Individualisiertes Spielzeug , das dennoch zu bezahlbaren Preisen vertrieben wird, das ist heute bereits Realität. Beispielsweise beim Hersteller maßgeschneiderter Luxus Bobby Cars, Bobby Tailor. Das Unternehmen setzt bei der Fertigung von Standardteilen wie z.B. Radkappen, Kühler und Logo schon heute auf Teile, die mittels 3D-Druck gefertigt werden – und spart damit nicht nur 22 Stunden Arbeitszeit, sondern auch 50 Prozent Kosten, was sich im Endpreis niederschlägt. Das Beispiel zeigt: Auch in der konventionellen Spielzeugproduktion könnte der 3D-Druck Zeit, Arbeits- und Materialkosten einsparen helfen. Spielzeuge im Fachhandel könnten mit dem konsequenten Einsatz des 3D-Drucks künftig deutlich günstiger produziert und vertrieben werden.

Einen anderen Ansatz verfolgen Anbieter wie TinkerToys oder MyMiniFactory. Diese Unternehmen bieten ihren Kunden Vorlagen für den 3D-Druck bzw. einen „digitalen Baukasten“ an, fertigen den Gegenstand der Wahl (meist Spielzeuge) mittels 3D-Druck und versenden ihn im Anschluss an eine Wunschadresse. Eigene Entwürfe zu realisieren ist hier ebenso möglich wie der Bau von Wunschprodukten, die mit bekannten Spielzeugmarken (z.B. Lego) kompatibel sind.

Mit dem 3D-Drucker eigene Spielzeugideen umsetzen

Einen Schritt weiter gehen einige Spielzeughersteller, die eigene 3D-Drucker schon heute in den Handel bringen. Anbieter wie Mattel, MakerBot, Ultimaker oder Dremel liefern weitgehend kindersichere, leicht bedienbare Drucker, die in Kombination mit einer App jedes Spielzeug der Wahl herstellen. Ob die noch in der Sammlung fehlende Actionfigur oder ein Fantasiewesen nach einer Kinderzeichnung, die Lieblingsbausteine in Wunschfarben oder Bauteile für selbst erdachte Maschinen und Fahrzeuge – der 3D-Drucker macht’s möglich. Unterschiedliche Kunststoffe in verschiedenen Farben und mit unterschiedlichen Materialeigenschaften ergänzen im Idealfall die Minifabrik fürs Kinderzimmer.

Beliebtes Spielzeug günstig nachdrucken?

Nicht zu unterschätzen ist die Möglichkeit, beliebte Spielzeuge mit einem 3D-Drucker in kleiner Auflage oder als Einzelstück selbst produzieren zu können. In der Regel ist nur eine Abbildung oder ein Foto notwendig, um eine exakte Kopie des Spielzeugs zu fertigen. Zumindest theoretisch ist es damit möglich, hohe Kosten für Spielzeuge zu sparen, die im Prinzip günstig produziert aber mit höchstmöglichem Werbeaufwand zu hohen Preisen verkauft werden.

In einer 2017 vorgestellten Untersuchung fanden Materialwissenschaftler der US-amerikanischen Hochschule Michigan Tech heraus, dass Spielzeuge aus dem 3D-Drucker bis zu 75 Prozent billiger sind als ihre Pendants aus dem Spielzeughandel. Verwendet man recyceltes Filament aus Plastikmüll, das die Materialwissenschaftler im Rahmen ihrer Studie testeten, liegt die Kostenersparnis sogar bei bis zu 90 Prozent . Exemplarisch verdeutlichten die Wissenschaftler diese Erkenntnis an einem Lego-Stein. Während ein klassischer Originalstein im Einkauf mit 6 Cent zu Buche schlägt, kostet ein Stein aus dem 3D-Drucker, hergestellt aus recyceltem Plastik, lediglich 0,5 Cent. Deutlich geringer fällt der Unterschied zwischen Original und 3D-Druck-Stein aus, wenn dazu handelsüblich Materialien genutzt werden. Der Nachbau aus dem 3D-Drucker ist in diesem Fall lediglich 0,2 Cent günstiger, was sich bei größeren Mengen aber trotzdem im Geldbeutel bemerkbar macht.

Wie sicher ist Spielzeug aus dem 3D-Drucker?

So spannend und verlockend der Einsatz von 3D-Druckern bei der Spielzeugherstellung ist, so unklar sind seine Folgen. So ist beispielsweise nicht immer klar, wer bei mit 3D-Druck individualisierten Spielzeugen die Haftung für ggf. unsichere Teile oder Spielzeuge übernimmt.
Werden selbst designte Spielzeuge gedruckt, ist es möglich, dass das Endprodukt Verletzungsgefahren bietet oder das dazugehörige Kleinteile von kleinen Kindern verschluckt werden können. Insbesondere Anwender, die mit dem Gedanken spielen, selbst entworfenes Spielzeug per 3D-Druck herzustellen und zu vertreiben, sollten ein Probeexemplar von einem anerkannten Warenprüfkonzern begutachten lassen, um möglichen späteren Beschwerden und Klagen vorzubeugen.

Daneben ist es sinnvoll, genau auf die verwendeten Materialien zu achten, da manche Kunststoffe nicht lebensmittelecht bzw. für den Kontakt mit Speichel und kleinen Kinderzähnchen geeignet sind. Vor allem bei Kunststoffen in besonderen Farben oder mit besonderen Produkteigenschaften (z.B. hohe Flexibilität oder Wärmeempfindlichkeit) ist Vorsicht geboten, um Verletzungen oder Vergiftungen beim Spiel mit den neuen Spielzeugen aus dem 3D-Drucker vorzubeugen.

Foto: https://pixabay.com/de/rakete-drucken-3d-2365907/


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